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Immer wieder wird die Frage an uns gerichtet, wie man eine Hundepension eröffnet, auf was man achten muss und wie eigentlich so die Grundbedingungen sind. 

In unserem Blog haben wir das Wesentliche für Sie zusammengefasst. 

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Kategorien: Alle Hundepension

12. Juli 2018, 15:16

Hundepension gründen - so geht´s

Entgegen der weitläufigen Annahme, eine Hundepension zu eröffnen kann ja so schwierig nicht sein, weil ja nur ein paar Hunde betreut werden, dem sei jetzt die Illusion genommen.

Themen
1. Voraussetzungen

Brainstorming
Vorabüberlegungen

Hat sich der Gedanke manifestiert, mit der absolut geduldigen Tierliebe, die man zum Betreiben einer erfolgreichen Hundepension benötigt, Geld zu verdienen, so gestaltet sich das weitere Brainstorming bereits jetzt in zwei Richtungen:

möchte man 1-2 Hunde oder mehrere betreuen. Möchte man diese Zuhause beherbergen – auch mit Übernachtung, oder eine Tagesbetreuung anbieten, sogenannte HUTA (Hundetagesstätte), ähnlich einem Kindergarten. Das heißt, die Hunde werden morgens gebracht und abends wieder abgeholt.

Die nächste Frage, die sich stellt: werden die Hunde ausgeführt oder steht ein Areal zur Verfügung, im besten Falle eingezäunt.

Eine ganz wichtige Frage ist, traut man sich alle Rassen zu! Angefangen von kleinen bis hin zu großen und übergroßen, seien es nun gut erzogene, Problemhunde, Listenhunde oder Dominanzhunde. Man muss in der Lage sein, ein Rudel führen zu können, betrachten einen die Hunde doch als Alpha-Tier, in guten, wie in schlechten Situationen. Ein Rudel wird sich immer um das Alpha-Tier sammeln und bewegen.

Die Anzahl der aufzunehmenden Hunde entscheidet nun die weitere Vorgehensweise. Für maximal 3 fremde Hunde, welche man 1 oder 2 Mal im Jahr aufnimmt, benötigt man keine behördliche Erlaubnis. Anders sieht es aus, wenn die Anzahl der Hunde gleichsam der Aufenthaltszeit sich erhöht.

Nun stellt sich eine Frage von elementarer Wichtigkeit: wo und wie werden die Hunde betreut und untergebracht.

Eine ordentlich betriebene Hundepension, egal ob mit freier Bewegung, Zimmerisolierung oder Zwingerhaltung darf nicht in einem Wohngebiet, noch nicht einmal in einem Gemengelage (Wohngebiet grenzt an Gewerbegebiet) eröffnet geschweige denn betrieben werden. Da eine Hundepension gewerblich angemeldet sein muss, und in die Amts-Benennung „störendes Gewerbe“ fällt, darf sie sich ausnahmslos (in Deutschland) nur in Gewerbegebieten ansiedeln und hat sich nach der TA-Lärm zu richten. Diese beziffert den Immissionsrichtwert für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden – Gewerbegebiet – tagsüber mit 65 db(A) und nachts 50 db(A). Dieser Wert ist ca. vergleichbar mit dem Bellen eines Schäferhundes. Das Amt für Immissionsschutz kann diesen Wert exakt ermitteln!

Ist ein Grundstück in einem Gewerbegebiet vorhanden, gestaltet sich die weitere Vorgehensweise leichter. Es wird ein Bauantrag, Antrag auf Nutzungsänderung, beim zuständigen Bauamt eingereicht, die diesen in einem Zeitraum von 2-3 Monaten prüfen und genehmigen oder mit einer entsprechenden Begründung ablehnen.

Muss erst ein geeignetes Areal gefunden werden, wird die Sachlage zusehends schwieriger.

Das Gelände/Areal inklusive der Bebauung muss immer behördlich abgenommen sein.

Die Frage nach der Sachkundeprüfung §11 TierSchG kann nun das erste Mal ins Wanken geraten.


2. Veterinäramt

Sachkundeprüfung nach §11 Tierschutzgesetz


Dieses prüft zunächst die Voraussetzung, welche da ist:
einwandfreies Führungszeugnis ( zu beantragen über das Gewerbezentralregister oder Bundesamt für Justiz).
Eine Gewerbeanmeldung bei der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung darf erst erfolgen wenn:
- eine abgeschlossene, staatliche anerkannte oder sonstige Aus- oder Weiterbildung (z.B. Tierarzthelfer/in, Tierpfleger/in) absolviert wurde
- eine durch eine von der obersten Landesbehörde als gleichwertig anerkannte Sachkundeprüfung eines Verbandes, die erforderlichen fachlichen Kenntnisse nachgewiesen wurde
- eine theoretische sowie praktische Sachkundeprüfung gemäß §11 Abs. 2, Nr. 1 Tierschutzgesetz vor einem Amtstierarzt abgelegt wurde

Diese Prüfung in den Rubriken Zucht – Kynologie – Nahrung/Futter – Haltung/Hygiene – Krankheiten – Praxis – Recht umfasst in Bayern ca. 210 Fragen, deren Antworten erarbeitet und recherchiert werden müssen – kein Multiple Choice! Jede Antwort muss begründet werden, es genügt also nicht ein lapidares Ja und/oder Nein. Für die Vorbereitung werden in der Regel 6 Wochen veranschlagt. Die eigentliche Prüfung vor zwei Amtstierärzten umfasst einen schriftlichen Teil (10 – 30 Fragen aus dem Fragenkatalog), der in 1 Stunde abgearbeitet sein sollte. Die mündliche Prüfung, auch Fachgespräch genannt, dauert nach dem Ermessen der Amtstierärzte (1-2 Stunden). Die zugestandene Fehlerquote kann von Amt zu Amt und regionsabhängig unterschiedlich sein.
Manche Ämter stellen bei bestandener Prüfung die Bestätigungsurkunde gleich aus, manche versenden diese erst einige Zeit später auf dem Postweg.


2. Finanzierung

Businessplan, Eigenkapital, Banken


Ein geeignetes Areal wurde in Augenschein genommen und aus Sicht des Betreibers! als gut und zweckerfüllend gefunden. Kommen wir zurück zu der Brainstorming-Frage, wie die Hundepension betrieben werden soll. Freie Betreuung, Zimmerisolierung oder Zwingerhaltung.

Eine Zwingeranlage ergibt Sinn, wenn entsprechende Hunde aufgenommen werden sollen, die ein Separieren erfordern. Kommt noch Auslauffläche hinzu, umfasst das Gelände schnell eine Quadratmetergröße von 1000m² – 2000m². Eine Hundepension setzt eine 24-Stunden-Betreuung und Aufsicht voraus. Das heißt, der Betreiber wohnt meistens mit auf dem in Augenschein genommenem Grundstück.

Kostspielig wird es, wenn ein Gebäude umgebaut, renoviert und/oder eine Zwingeranlage entsprechend den gesetzlich einzuhaltenden Bauvorschriften errichtet werden muss. Die nächste Frage: wird das Areal gemietet/gepachtet oder gekauft. Beides hat Vor- und Nachteile.

Eigenkapital ist auf jeden Fall von Vorteil, je nach Planung und Bauvorhaben wird es sehr schnell 6-stellig. Muss auf Fremdkapital zugegriffen werden, ist ein entsprechender Businessplan unabdingbar. In jenem, auch Geschäftsplan genannt, wird eine Geschäftsidee, in unserem Falle eine Hundepension, detailliert beschrieben und die zu erwartenden Kosten, ebenso die Einnahmen, akribisch aufgelistet. Diese Beschreibung kann zwischen 10 und 30 Seiten betragen. Je ausführlicher ein Businessplan ausgearbeitet ist, desto eher ist eine Bank überhaupt bereit ihn zu sichten. Die Fragen einer Bank sind vielschichtig. Jene nach Eigenkapital ist gerne die erste. Gefolgt von Standort- und Branchenanalyse. Gibt es Mitwettbewerber, wie sind diese aufgestellt, ist die Location günstig gelegen und braucht der Markt in diesem Gebiet eine Hundepension. Spätestens jetzt zahlt es sich, wenn kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse die Skills des eventuell zukünftigen Inhabers einer Hundepension untermauern – von den rhetorischen ganz zu schweigen – eine Geschäftsidee umzusetzen, muss möglicherweise hart verhandelt werden.

Eine Hundepension im größeren Stil kann nicht mal so eben nebenbei betrieben werden. In der Gewerbeanmeldung wird diese daher meistens „hauptberuflich“ angegeben. Diesen Umstand fragen auch Kreditgeber nach. 100% selbstständig heißt, private Krankenversicherung, die sich je nach Alter (geschlechtsspezifisch) zwischen 300 und 700 EUR monatlich belaufen kann (Frauen zahlen höhere Beiträge als Männer). Hinzu kommen andere Versicherungen, auf die wir später eingehen wollen, sowie Lebenshaltungskosten. Die Einnahmen werden im Businessplan als „zu erwartend“ angeben. Für die Bank heißt das, keine Einnahmen in der ersten Zeit, schon mal gar nicht mit Gewinn. Die Preiskalkulation sollte also so realistisch wie möglich sein, denn in der ersten Zeit wird aus dem finanziell vorhandenen Bestand agiert. Der Pufferrahmen kann und wird die Kredithöhe erheblich beeinflussen. Je weniger Fremdkapital also benötigt wird, desto besser.


3. Versicherungen

private, betriebliche


Die abzuschießende private Krankenversicherung setzt den Austritt aus der gesetzlichen voraus. Dieser Schritt will gut überlegt sein, einmal ausgetreten ist der Wiedereinstieg nicht einfach. Selbstständig ist man nicht ein bisschen, sondern komplett und mit allen Konsequenzen. Ein Beratungsgespräch mit der jeweiligen Kasse ist auf jeden Fall hilfreich.

Die Altersvorsorge ist für Jung-Unternehmer in den meisten Fällen am Anfang nicht zu stemmen. Die monatlichen Fix-Kosten übersteigen sehr schnell die Möglichkeiten der finanziellen Rücklagenbildung.

Denn die Versicherungen für eine Hundepension im größeren Stil, haben Vorrang. Eine Betriebshaftpflichtversicher​ung ist unabdingbar. Gefolgt von der Gebäudeversicherung, möglicherweise einer Firmen-Inhaltsversicherung oder einer Hundehütehaftpflicht-Versicherung.

KFZ-Versicherungen gewähren bei Firmenfahrzeugen Sonderkonditionen. Dies sollte bei einer eventuell geplanten Fahrzeugneuanschaffung berücksichtigt werden.


4. Firmen-Namen

Rechtsformen


Grundsätzlich muss immer überlegt werden, wie man sich von den Mitwettbewerbern abhebt. Das fängt bei der Namensgebung für ein Jung-Unternehmen an. Ist es ein Fantasiename, so sollte dieser rechtlich geschützt werden, so dass eine Fremdübernahme ausgeschlossen ist. Ein Name kann deutschland-, europa-, oder weltweit geschützt werden. Die Kosten hierfür beginnen bei ca. 100 EUR und lassen nach oben sehr viel Spielraum. Je nachdem, ob ein Name, Slogan und/oder Bild, auch in Kombination, geschützt werden sollen.

Möglich sind auch Namen, die den Familiennamen (Klarnamen) beinhalten. Ist die Namensfindung abgeschlossen, muss eine Rechtsform gefunden werden. Die in Deutschland gängigsten für Neugründungen sind:
- Einzelunternehmen
- Ein-Personen GmbH
- UG (Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt)
- GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
- GmbH & Co. KG (Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft)
- GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts)
- OHG (offene Handelsgesellschaft)
- KG (Kommanditgesellschaft)

Es ist nicht sicher, ob die Geschäftsidee – Hundepension - aufgeht, von daher ist es sinnvoll als Geschäftsform Einzelunternehmen und in der Gewerbeanmeldung die Rubrik Kleinunternehmer-Regelung anzugeben. Diese besagt, dass der Unternehmer aufgrund des zu erwartenden niedrigen Umsatzes seitens des Finanzamtes als Nicht-Unternehmer behandelt wird, heißt, er muss bis zu einer Umsatzgrenze von 17.500,00 EUR/jährlich keine Umsatzsteuer abführen, kann natürlich demzufolge auch keine Vorsteuer absetzen.
Wird die Umsatz-Grenze 17.500,- EUR überschritten, muss eine Umsatzsteuer-voranmeldung, kurz USTVA, entweder monatlich oder quartalsweise bei der jeweiligen Finanzbehörde abgegeben werden.



5. Marketing/Vertrieb

Broschüren, Flyer, Visitenkarten, Homepage, Suchmaschinen, Soziale Netzwerke


Der Markt für Hundepensionen in Deutschland ist gut besiedelt. Er sieht viele Neueinsteiger kommen und gehen. Gute Werbung ist das A und O. Eine neue junge Hundepension muss sich erst einen Namen machen und das geht nicht über Nacht.

Regionale Zeitungsannoncen lassen potenzielle Kunden aufmerksam werden. Doch wie gestaltet man eine Anzeige?

Firmenname und Rechtsform werden sich nun durchziehen, wie ein roter Faden. Egal, ob nun Visitenkarten, Broschüren und/oder Flyer gedruckt werden. Der Firmenname ist elementar. Er erscheint auf der anzulegenden Homepage, in SEO-Texten, Keywords und ggf. Nebenkeywords. Ein Auftritt im Internet und sozialen Netzwerken ist unabdingbar, um Kunden zu erreichen. Die verbale Weiterempfehlung hat zwar eine nicht zu unterschätzende Wirkungskraft, doch 90% der zu erreichenden Kunden schauen sich immer erst eine Homepage an. Von daher ist es sehr wichtig, dass diese stets ordentlich gepflegt und geführt wird. Veraltete und halbherzig angelegte Internetseiten werden von Suchmaschinen nicht nach oben gesetzt, das heißt, sie werden gar nicht oder nur sehr schwer gefunden. Neue Internetpräsenzen behandeln Google und Co. sehr kritisch. Im schlechtesten Falle kann eine Homepage über ein Jahr teilnahmelos im Netz herumdümpeln. Hier ist Geduld und Hartnäckigkeit gefordert. Auch wenn aller Anfang schwierig ist - eine junge Homepage darf nie verwaisen, wenn sie eine elektronische Visitenkarte für ein Unternehmen darstellen soll.

Wer sich mit dem Aufbau einer Internetpräsenz und dem richtigen Texten (SEO-Texte) nicht auskennt, sollte sich beraten lassen! Jedes Unternehmen und Produkt braucht und hat seinen eigenen Ton, mit dem es Kunden erreicht. Hier sollte sehr viel Kompetenz eingesetzt werden.

Sehr wichtig ist die Beachtung der neuen Datenschutzverordnung. Diese muss auf der Homepage aufgeführt sein, will der Betreiber keine Abmahnung seitens Anwaltskanzleien sein, die sich darauf spezialisiert haben. Zu beachten ist, dass eine solche Abmahnung mit hohen Kosten verbunden sein kann.



5. Administration/Buchhaltung

Allgemeine Geschäftsbedingungen, Verträge, Rechnungen, Steuer-Vorbereitung

Bevor Fremdhunde aufgenommen werden, muss sich der Inhaber bzw. Betreiber einer Hundepension sorgsam um die einzuhaltenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen Gedanken machen. Wer sich an diese allein durch die Internet-Recherche nicht herantraut, sollte sich anwaltlich beraten und eine aussagekräftige Rechtsformulierung aufsetzen lassen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie ein entsprechender, vom Hundehalter zu unterzeichnenden Aufnahmevertrag, sind die wichtigen Rechtsgrundlagen, bevor fremde Hunde aufgenommen werden.

Die Vergabe einer Kundennummer ist in der Kleingewerbe-Regelung nicht zwingend erforderlich, erleichtert aber die weiterführende buchhalterische Abwicklung. In der jährlichen Einkommenssteuererklärung fordert das Finanzamt bei einem Kleingewerbe Quittungs-Belege. Entsprechende Quittungsblöcke gibt es bereits durchnummeriert im Fachhandel zu kaufen. Egal, ob vorgefertigter Quittungsblock oder geschriebene Rechnung – beide müssen fortlaufend nummeriert sein.


Die beschriebenen einzelnen Punkte sollen eine erste Übersicht über die Vielfältigkeit einer Hundepension darstellen.